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Things you cant learn in a classroom

 

Sie senkt den Blick als sie mir erzählt, wie sie einen ganzen Tag lang versucht hat, einen angefahrenen Hund in Belize zu retten, ihr niemand von den tausend Leuten auf der Strasse und sogar die Polizei nicht helfen wollte und ihr nur mit Unverständnis begegnet sind und sie sich schlißelich nicht anders zu helfen wusste, als das arme Tier selbst von seinem Leid zu erlösen. Ich schlage die Hände vor den Mund und kämpfe mit den Tränen. Wir alle wissen, wie es in solchen Städten sein kann, dass dort einfach ein anderer Standard herrscht, egal wie schwer nachvollziehbar dieser für uns auch ist; aber was das in der Realität bedeutet, darüber wollen wir uns meistens gar keine Gedanken machen. Ich verstehe sie, sehe alles was sie erzählt bildlich und hätte mit Sicherheit genauso für das Tier gekämpft. Aber man kann nicht alle retten, schließt sie ihre Erzählung und trifft damit genau einen wunden Punkt. Denn das ist genau so eine tiefliegende Lebensweisheit, die du erst begreifst, wenn du sie in der Praxis erlebst, und dafür müssen wir alle etwas unterschiedliches durchmachen.
Wir sitzen auf Fellen und zwischen Heizstrahlern auf dem Balkon, lachen und weinen und rauchen und erzählen über alles, was wir erlebt haben, während wir getrennt waren. Ihre Geschichten sind dabei etwa tausend Mal so spannend, denn sie hat sich ja auch für den wesentlich bewegteren und risikoreicheren Weg entschieden. Vor sechs Monaten erst haben wir Abschied gefeiert, gesagt, dass wir ganz viel Skypen und schreiben müssen, den Kontakt nicht verlieren dürfen und sie keinesfalls als andere Person wiederkommen darf, obwohl ich damals schon wusste, dass das unmöglich wird. Sie hat sich so gut es geht daran gehalten, hat uns immer wieder Wort- und Bildfetzen ihrer bunten Abenteuer zukommen lassen und auch wenn es mal wochenlang still wurde, weil sie ohne Handy nackt in irgend einem Dschungel herumgerannt ist, haben wir immer an sie gedacht und gehofft, dass es ihr gut geht. Und nun sitzt sie wieder hier neben mir und wir lachen wie früher, obwohl sie doch eigentlich als andere Person wiedergekommen ist. Sie erzählt, wie sie mitten in der Nacht alleine in Mexiko City nach dem Weg gefragt hat, wie sie mit beinahe Fremden in tropischer Natur gezeltet hat und was sie in der Zeit über sich selbst und die Welt gelernt hat. Ich höre ihr beinah erfürchtig zu, mit einer Mischung aus Neid und Entsetzen, Besorgnis und Stolz. Sie redet wie selbstverständlich von Dingen, die ich schon so lange versuche, den Menschen um mich rum einzuprügeln, alles, was sie sagt zeugt von einem so immensen Reifeprozess, dass ich mir sicher bin, es war die richtige Entscheidung zu gehen; denn es gibt Dinge, die kann man einfach nicht aus Büchern lernen. Aber man muss so etwas eben auch zulassen und wollen , sich darauf einlassen und öffnen und nur dann wird einem das alles zuteil. Ich kenne ebenso viele, die ihren Auslandsaufenthalt abgebrochen haben, denen die australische Sonne zu heiß, die mittelamerikanische Armut doch zu deprimierend und das Tomatenpflücken zu anstrengend war. Aber solange Mama und Papa den Rückflug zahlen, hat man daraus zumindest gelernt, dass so etwas einfach nichts für einen ist. Aber sie hat es richtig gemacht, und ich glaube, sie hat alles mitgenommen was man aus so einer Erfahrung lernen kann.

Nur hat alles seinen Preis und seine Schattenseiten. Und ich hoffe sie passt gut auf sich auf, wenn sie durch die Schattenseiten muss und verliert sich nicht darin.

 

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