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Von Münchner Arroganz und Berliner Freiheit

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(Vorlektüre: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/498951/Berliner-Arroganz-und-Muenchner-Freiheit)

Es ist nicht besonders schwer, aus meinem Mund eine Hasstirade gegen Bayerns Hauptstadt auszulösen. Normalerweise reicht es, die Worte „Feiern“, „U-bahn“, „Mietpreise“ oder „Polizei“ in den Mund zu nehmen, und ich bin sozusagen gezwungen, meine Meinung zu ebenjenen Themen in Form eines leidenschaftlichen literarischen Wasserfalls irgendwo zwischen Fremdwörtern und Fäkalsprache lautstark kundzutun. Und dabei bin ich eigentlich einer dieser Menschen, die ihre Meinung nicht jedem auf‘s Auge drücken, wenn sie nicht danach gefragt werden. Woher kommt also meine starke Meinung zu München? Ich verzichte an dieser Stelle jetzt bewusst auf Bilder, einfach, weil es zu lustig ist, mir vorzustellen, wie ihr euch das gerade ausmalt, aber vor einigen Jahren sah ich noch um einiges wilder aus und, so doof das jetzt auch klingen mag, habe durchaus eine andere Behandlung in München erfahren. We‘re talking purple hair, two dozen piercings, 8 inch platform boots and a sidecut here, okay? Dementsprechend extrem habe ich auch die Münchner Spießigkeit und Ablehnung kennen und fürchten gelernt, und auch als die Markensachentragende Barbie, die ich heute nach außen hin sein mag, habe ich das nie so ganz vergessen. Es stimmt, Münchner sind oberflächlich, du wirst hier schief angeguckt, wenn du aus der Masse herausstichst, es gibt einen typischen „Style“ und der ist nicht besonders einfallsreich und an manchen Stellen lügt man sich noch die schöne heile Welt zusammen. Ich wollte hier immer weg, ich mag es nicht, herauszustechen, angestarrt zu werden, anders zu sein. Und selbst das hat man mir hier nicht geglaubt. Ich würde es doch herausfordern, ich müsse mich doch nur etwas anpassen. Und hier haben wir es, das kleine Wort müssen. Denn wenn du dich allen Münchner Zwängen beugst, hast du hier ein Wahnsinnsleben. Wenn du dazu dann noch in der Schellingstraße geboren bist, und deine Eltern dich in ihre Ferienwohnung in Kitzbühl lassen, um Party zu machen, wirst du mit Sicherheit denken, das hier wäre der Himmel auf Erden. Und München hat auch gute Seiten, bitte versteht mich nicht falsch! München ist an manchen Stellen zum Verlieben schön (Feldherrenhalle, Stachus, Schwabing, Reichenbach, etc.), es gibt ebensoviele Leute, die auf dein Äußeres und deinen Besitz einen feuchten Scheißdreck geben (ich verschweige jetzt mal, dass die meisten davon allerdings in eben jenen oben erwähnten Luxuswohnungen und Ferienhäusern chillen und nur deswegen sich nicht dafür interessieren, weil sie eben hineingeboren wurden..) und einfach trotzdem locker drauf sind, die Stadt ist sauber, die Stadt ist sicher, denn eben genau jene Spießigkeit und Polizeistrenge sorgt auch dafür, dass hier nichts ausser Kontrolle gerät. Aber dazu gleich noch ein paar Gedankengänge. Denn eigentlich waren wir ja beim „Aus-der-Reihe-tanzen“, bei Offenheit, Gleichberechtigung und Akzeptanz. Und davon würde München ein wenig mehr zugegebenermaßen nicht wehtun. Ich sitze im Kater um 7 Uhr morgens und führe die übliche Debatte, muss mir vorwerfen lassen, diese Stadt kaputt zu machen und rechtfertigen, was ich hier will. Ich bin diese Diskussion leid, ich gebe schon nicht einmal mehr zu, wo ich herkomme, und ich will mich nicht ständig wiederholen müssen. Ja, Berlin ist cool. So cool, dass ich die Hälfte meiner Zeit im Moment hier verbringe, und sogar eventuell mein Leben dorthin verlagere. Ja, die Mentalität ist anders, und ich genieße das. Und ja, die vielen Touris sind manchmal anstrengend und ich verstehe, wieso die zahlreichen Änderungen schwierig hinzunehmen sind für viele Urberliner. Aber das heißt nicht, dass ich alles hier lieben muss, dass ich mich ständig für meinen Wohn- bzw Geburtsort rechtfertigen muss, oder dass alles stimmt, was man so über uns Münchner sagt. Ist schließlich auch nicht jeder Berliner unfreundlich, Drogenkonsument und hat keinen Bock zu arbeiten. Einige aber schon. In Berlin spricht dich jeder per Du an, hier Ansässige rechtfertigen das gerne mit: „Bei uns hält man sich eben einfach nicht für was besseres. Da sind die Leute mehr am Boden geblieben.“. Nicht so wie in München. Sagt keiner, aber sie denken es alle. Ich werfe ein, dass eben genau das auch einfach ein Zeichen von fehlendem Respekt sein kann (je nach Intention natürlich nur!). In Berlin hat man keine Berührungsängste. Die Leute dringen scheinbar selbstverständlich in dein Leben, dein Gespräch, deine Comfortzone. Mischen sich in einen Wortwechsel ein, den sie überhören, fassen dich an, sind sehr direkt. Alles ist irgendwie übersteuert. Maximum Dreistigkeit, hier muss immerhin ein Ruf verteidigt werden, und schockieren tut man ja sowieso gerne. 
Berlin ist am härtesten, am lautesten, am offensten, am krassesten. Ich versteh nicht ganz, wer gesagt hat, dass man sich dadurch definieren muss? Berlin ist doch auch so toll, ganz ohne die Reality-tv-reife Dosis an Drogen, Sex und Gewalt. Es ist nicht alles Berlin Tag und Nacht. Hab ich gehört. Versteht mich nicht falsch, ich liebe euch für eure Art. Das ist der Grund, wieso ich mich wohlfühle, Wieso es mich hierher zieht. Ich lebe von Input, und davon gibt es hier endlos viel. Ich finde hier soviel von dem Contra, das ich in München lange gesucht habe. Ich bin selbst die am lautestens miauende Katze, und das, obwohl ich (meist) nicht kratze, aber selbst die „Angriff-ist-die-beste-Verteidigung“-Schiene hat mal ein Ende, wenn man angekommen ist. Keiner muss sich für das, was er tut, rechtfertigen, denn jeder hat das Recht, zu tun, was er für richtig hält. Das hat man mir in München so beigebracht. Jedem das seine. Und das ist vielleicht das einzige bisschen Freiheit und Akzeptanz, in dem wir Münchner euch überbieten

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6 Comments

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